Die Lamsenjochhütte in der Silberregion Karwendel: Ideal für Bergwanderungen

Die Lamsenjochhütte liegt unweit des Lamsenjoches und eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für eine Karwendeldurchquerung.

Aber auch als Hüttenziel stellt sie ein beliebtes Ziel dar, wobei man in Verbindung mit einer Umrundung des Hahnkampl einen informativen Einblick in diese Gebirgsgruppe erhält.

Anläßlich der 100-Jahrfeier der Lamsenjochhütte gab es eine Veröffentlichung im DAV-Panorama, Heft 3/2008, Seite 84-87. Hier der Text:

„BIN GEWESEN ALLES RUINIERT AUF LAMSEN – WASTL“ Ein Telegramm vom legendären „Lamsenwastl“ mit diesem dramatischen Text erreichte am 11. März 1908 die Vorstandschaft der Sektion Oberland und besiegelte, was Tourengeher bereits zwei Tage vorher gemeldet hatten: Die erste Lamsenjochhütte, gerade eine Saison in Betrieb, war von einer Staublawine
mitgerissen und komplett zerstört worden. „Doch nicht lange galt es, das
Chaos auf dem Lamsenjoche zu schauen“, vermerkt der Chronist. Bereits
vier Wochen später beschloss die Generalversammlung am 7. April 1908 einstimmig den Wiederaufbau.
Unter Federführung des Hüttenreferenten Dr. Carl Lehmann wurde der
Beschluss sofort in die Tat umgesetzt. Nach der Grundsteinlegung am 12. Juli
konnte bereits am 20. September 1908 die Hebeweinfeier (Richtfest)
begangen werden. Die günstige Witterung im Herbst gestattete ein langes
Arbeiten, am Kirchweihtag war der Bau komplett unter Dach und Fach.
Die Einweihung der Hütte am 26. und 27. Juni 1909 war ein großes Ereignis,
das Interesse der Münchner Bevölkerung so groß, dass der fahrplanmäßig
erst vom 1. Juli an zwischen Schwaz und München verkehrende
Zug vorzeitig in Verkehr gesetzt wurde, um die zahlreichen Bergsteiger zu
den Feierlichkeiten zu bringen. Das Ehepaar Kofler, das bereits die erste
Hütte bewirtschaftet hatte, zog wieder hinauf und sollte der Sektion bis 1938
als Hüttenpächter erhalten bleiben.

Bayerische Bergsteiger und internationaler Sozialismus
Der rasche Wiederaufbau der Lamsenjochhütte war in erster Linie dem
Hüttenreferenten und Gründungsmitglied der Sektion Oberland Dr. Carl Lehmann zu verdanken. Lehmann, ein Sozialist mit bürgerlichem Lebensstil, unterhielt zusammen mit seiner Frau, Dr. Hope Bridges Adams Lehmann, eine gut gehende Arztpraxis in München. Sein Freundeskreis reichte von Wilhelm Liebknecht und August Bebel über Maxim und Costia Zetkin (Söhne der Frauenrechtlerin Clara Zetkin), Erhard Auer, den späteren Münchner Oberbürgermeister Eduard Schmid bis hin zu russischen Emigranten wie Wladimir Iljitsch Lenin. Für Lenin war Lehmann in seinen Münchner Jahren zu einer wichtigen Übermittlungsadresse der Nachrichten von und nach Russland
geworden. Diese Freunde Lehmanns, größtenteils ebenfalls Mitglieder der Sektion Oberland, trugen maßgeblich zur Finanzierung des Baus der Hütte
bei. Bayerischer Alpinismus und russische Weltrevolution, Lamsenjochhütte
und Lenin trafen in der Person Lehmanns direkt aufeinander. Man markierte gemeinsam Wege im Karwendel, arbeitete beim Bau der Hütte mit und gleichzeitig bereitete man die russische Revolution vor, eines der größten Ereignisse des 20. Jahrhunderts mit weltgeschichtlicher Langzeitwirkung.
Pikant war die Tatsache, dass die mit sozialdemokratischer Unterstützung
gebaute Hütte auf Klostergrund stand. Doch auch dafür war Lehmann
verantwortlich. Denn er pflegte ein beinahe freundschaftliches Verhältnis
zu Pater Leo von der Benediktinerabtei Fiecht im Inntal, auf deren Grund die Schutzhütte errichtet wurde – hauptsächlich wohl wegen der Bergleidenschaft des Paters. Oft und gerne feierte man gemeinsam im Vomper Hof. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war ein solches Ausmaß an Kooperation zwischen den
vom Klerus meist verteufelten Linken und einem katholischen Kloster sicher einzigartig.
1923 wurde der Kauf des bis dahin vom Kloster Fiecht nur gepachteten Grundes am Lamsenjoch notariell abgeschlossen. Die Sektion Oberland war somit Grundbesitzer im Karwendel. Ab 1933 ließ die Grenzsperre nach Österreich die Besucherzahlen stark zurückgehen und die Kriegsjahre brachten die üblichen Erschwernisse mit sich. Bis 1957 kamen alle in Österreich gelegenen Hütten des Deutschen Alpenvereins unter die treuhänderische Verwaltung des OeAV. Nach Rückgabe der Lamsenjochhütte an die Sektion Oberland wurde die Hütte umgebaut und erweitert, was längst fällig gewesen war. Da die Versorgung mit Mulis immer schwieriger wurde, baute man 1964 den Zugang von Schwaz durch das Stallental für ein schmales Spezialfahrzeug aus. 1970 bekam die Hütte Strom – ein weiterer Anreiz für die zahlreichen Besucher, denen sich mit der neuen Mautstraße nach Gramai ein kurzer Zustieg eröffnete. Weitere Um- und
Erweiterungsbauten folgten: Man vergrößerte den Gastraum, modernisierte
die Sanitäranlagen, ein Trockenraum und eine Heißwasseranlage ergänzten die Sanierung. Auf dem Hügel hinter der Lamsenjochhütte errichtete man im Zuge
der Baumaßnahme eine kleine offene Kapelle, die sich gut in die Berglandschaft
einfügt. Es war ein Anliegen der Sektion Oberland, hier unter der Lamsenspitze einen Ort zu schaffen, um der verunglückten Bergfreunde gedenken zu können. Zugleich war es aber eine Geste des Dankes an die Patres des Benediktinerstiftes Fiecht, die durch ihre verständnisvolle Haltung den Hütten- und Wegebau im Karwendel erst ermöglicht hatten.

Solidarität mit der Natur
1976 erschreckte die Nachricht die Bergsteiger, dass ein dreieinhalb Meter breiter Viehtriebweg über die beiden Lamsenjöcher – vom Stallental zum großen Ahornboden – bereits behördlich genehmigt war. Das Lamsenbründl war gefährdet und damit die gesamte Ökologie im Bereich der Hütte. Eine breite Solidaritätsbewegung der Grundeigentümer und alpinen Verbände mit Naturfreunden aus Tirol, Salzburg und Bayern formierte sich.
Unterschriftenaktionen, Leserbriefe, Presse, Rundfunk und Fernsehen unterstützten die Aktion. „Rettet das Karwendel!“ hallte es landauf und landab. Aktionswochen starteten Heimstatt für Revolutionsfreunde und grüne Widerständler und in der Sektion Oberland formierte sich die „Arbeitsgemeinschaft alpiner Umweltschutz der Sektion Oberland“, kurz AGUSSO, eine der ersten Umweltschutzgruppen im Deutschen Alpenverein, in der sich auch der heutige DAV-Präsident Heinz Röhle seine ersten vereinspolitischen Sporen verdiente. Gemeinsames, grenzüberschreitendes,
engagiertes Handeln brachte Erfolg, das Gebiet um die Lamsenjochhütte wurde vor der Zerstörung bewahrt und eine Schutzzone eingerichtet. Alle weiteren Straßenbauvorhaben wurden untersagt.

Gipfelkreuz zu verzollen
Ein ähnlicher Aufschrei erhob sich unter der Tiroler Bevölkerung 1978, als ein von der Ortsgruppe Eching-Neufahrn selbst gebautes Gipfelkreuz für die Lamsenspitze an der Grenze zu Österreich verzollt werden musste. In
zahlreichen Briefen und gemeinsam mit der Presse brachte man Missfallen
zum Ausdruck; ihre Verbundenheit zeigten viele Österreicher auch bei der Gipfelkreuzeinweihung, eine große Anzahl von Bergsteigern besuchte die Bergmesse.
Die Jahrtausendwende bescherte der Lamsenjochhütte eine neue Energieversorgungsanlage mit gasbetriebenem Blockheizkraftwerk und Kläranlage. Seit dem Jahr 2004 darf sich die Hütte mit dem Umweltgütesiegel
des Alpenvereins schmücken. In den letzten Jahren entwickelte sich eine neue, sehr erfolgreiche Partnerschaft. Nachdem sie bereits den Klettersteig zur Lamsenspitze und den Brudertunnel instand gesetzt hatten, sanierten die Männer der Bergrettung Schwaz das Steig-Provisorium zur Hochnisslspitze (2547 m). Am 14. August 2006 um 18.20 Uhr zogen die ehrenamtlichen Helfer der Bergrettung Schwaz unter der Führung ihres Obmanns Fred Wallenta die letzte Schraube an, nach arbeitsreichen Tagen in Kälte, Regen, Gewitter, Nebel und sogar Schnee. Nun können Bergsteiger endlich wieder den gesamten Grat zwischen Lamsenspitze und Hochnissl überschreiten. Trotz der Sicherungen werden aber für die gut zweieinhalb Kilometer lange Grattour alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vorausgesetzt!
Die Lamsenjochhütte ist damit neben dem anspruchsvollen Klettersteig
über den Brudertunnel, dem auch für Klettersteiganfänger durchaus noch
geeigneten Steig zur Lamsenspitze (2508 m) und vielen Klettermöglichkeiten
in Hüttennähe um eine weitere Tourenmöglichkeit für ambitionierte
Bergsteiger reicher.
Heute zeigt sich die Lamsenjochhütte wie aus einem Guss. Über ein Jahrhundert hinweg war sie Begegnungsstätte zwischen Bayern und Tirol, Sozialisten und Klerus, Bergwanderern und Kletterern. Die Sektion Oberland
wünscht und hofft, dass die Hütte weiterhin von einem fruchtbaren Miteinander geprägt die nächsten hundert Jahre in Angriff nehmen wird. Aus dem Inntal kann man die Hütte per Rad erreichen.

Geöffnet: Anfang Juni bis Mitte/Ende Oktober
Übernachtung: 24 Zimmerlager, 90 Matratzenlager, offener Winterraum
(32 Lager)
Hüttenwirte: Oswald und Petra Erhart, postlagernd, A-6134 Vomp,
Tel./Fax: 0043/(0)5244/620 63, info@lamsenjochhuette.at,
www.lamsenjochhuette.at
Eigentümer: Sektion Oberland des Deutschen Alpenvereins e.V., Tal 42,
80331 München, Tel.: 089/29 07 09-0, Fax: 089/29 07 09-115,

Anfahrt und Zugänge: Aus der Eng (1203 m, Anfahrt mit der Bayerischen
Oberlandbahn, BOB, nach Lenggries, von dort im Sommer RVO-Bergsteigerbus;
mit dem Auto über Bad Tölz und B 307, dann von Hinterriß auf Mautstraße).
Hüttenanstieg über Großen Ahornboden und Binsalm (2,5 Std.),
schön auch der Umweg über Binssattel und Hahnenkamp (ca. 1 Std. länger).
Von der Gramaialm (1263 m) im Falzthurntal (Anfahrt mit der BOB nach Tegernsee und mit dem RVO-Bus über Pertisau oder mit dem Zug nach Jenbach
und von dort mit dem Linienbus über Pertisau; mit dem Auto mautpflichtig).
Hüttenanstieg auf bezeichnetem Steig, 700 Hm, 2 Std.
Von Schwaz im Inntal (Zugverbindung) über Vomp zum Ortsteil Fiecht auf den Parkplatz „Bärenrast“ bei Stans; dann durch das Stallental in 2,5 Std. zur Hütte; dieser Zugang ist mit MTB fahrbar und landschaftlich sehr schön! Dank des relativ einfachen Zustiegs ist der Zugang über die Bärenrast auch für Familien geeignet.

Übergänge: Zur Falkenhütte 4 Std. (leicht), durchs Vomper Loch zum Hallerangerhaus 8–10 Std. (schwer), zur Reitbichlhütte 2 Std. (leicht).

Bergtouren und Klettersteige:
Lamsenspitze (2508 m, 2 Std. Aufstieg, mäßig schwierige Bergtour)
Lamsenspitze über Brudertunnel (2,5 Std. Aufstieg, mäßig schwieriger Klettersteig)
Hochnissl (2547 m, 7 Std., mäßig schwieriger Klettersteig; lange, anstrengende Bergtour)
Sonnjoch (2457 m, 4 Std. Aufstieg, lange, anstrengende Bergtour)

Klettern:
Lamsenspitz-Nordostkante, IV+, 11 SL, 220 Hm
Klettergarten Dreamland, III.– VII. Grad, 11 Routen, mit Klebe- und Bohrhaken
bestens abgesichert.

Karte: Alpenvereinskarte 5/3: Karwendelgebirge Östliches Blatt.
Führer: Walter Klier: Alpenvereinsführer Karwendel alpin, Bergverlag Rother,
München 2005, ISBN 978-3-7633-1121-7.
Tourismusinfo:
Tourismusverband Achensee, Rathaus 387, A-6215 Achensee
Tourismusverband Silberregion Karwendel, A-6130 Schwaz,
Franz-Josef-Straße 2, Tel.: 0043/(0)5242/632 40, Fax: 0043/(0)5242/656 30,
info@silberregion-karwendel.com, www.silberregion-karwendel.com
Quelle: Karwendelgebirge Information und htttp://www.alpenverein.de

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